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Künstlerisches Selbstverständnis

Ich arbeite mit den Medien Film, Fotografie, Installation und Zeichnung und untersuche diese auf ihr Potenzial, Erinnerung und Zeit zu transportieren und darzustellen. Dabei beschäftigt mich vor allem die Frage, wie verschiedene Zeitebenen sichtbar gemacht werden können, die nebeneinander in Menschen oder Orten eingeschrieben sind oder darin zusammenlaufen.

In der Videoarbeit "Inventory" beschreibt meine Großmutter aus ihrer Erinnerung Räume ihres Hauses, während die Kamera diese gleichzeitig filmt. Auf Grund ihres körperlichen Zustands war sie nicht mehr in der Lage, die obere Etage ihres Hauses zu betreten. Daher lebte die Vorstellung dieser Räume von vor zehn Jahren in ihr. In "Inventory" bewirkt die scheinbare Dissonanz zwischen Tonspur und Bild ein Aufeinandertreffen der erinnerten bzw. vergegenwärtigten und der für den Betrachter tatsächlichen Gegenwart. Die nicht mehr sichtbare, aber präsente Realität und der gegenwärtige Moment stellen sich und ihre Bedeutung gegenseitig in Frage und machen ihre wechselseitige Bedingtheit sichtbar.

Diese Schichtungen von ineinanderübergehenden Zeitstrukturen werden in der "Installation Schloss Plüschow" festgehalten. Hier habe ich meine Bewegungsabläufe in einem Raum durch ein gesponnenes Netz von Fäden sichtbar gemacht und somit meine Bewegung in der Zeit fixiert. Das durch den Raum wandernde Tageslicht wurde zum Akteur dieser Installation. Es fing sich im Fadennetz und ließ diese beinahe unsichtbare Installation deutlicher in Erscheinung treten. Zudem wurde es durch die raumgreifende Fixierung der vergangenen Bewegung zunehmend unmöglich, sich im Raum der Gegenwart zu bewegen.

Meine jüngste Arbeit, die Videoinstallation "Metopia", die in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Miriam Visaczki entstand, handelt von Familiengeschichte und der Rezeption von Herkunft. Wir haben unsere individuellen Familiengeschichten in einer Erzählung von acht Kapiteln zusammengeführt. Erzählt wird diese Geschichte anhand der Arbeiten von V. V. Visaczki, der in einer Sammlung von Metopen, quadratische Bilder mit einem streng grafischen Raster, seit 2001 seinen Alltag und die Tagespolitik dokumentiert. In Metopia wählen wir Einzelbilder aus dieser von V. V. Visaczki geschaffenen, in sich geschlossenen Bildsprache aus und versuchen anhand dieser, unsere Herkunft zu verorten. Gemeinsamkeiten unser beiden Familien sind geographische Verbindungspunkte in der Tschechischen Republik nahe der deutschen Grenze, sowie die Erfahrung von Vertreibung und Flucht.

In "Metopia" zeugen unsere individuellen Familiengeschichten von der allgemeinen politischen Geschichte und zeigen die Notwendigkeit der Dekonstruktion der Vergangenheit, die im Persönlichen oft an die Erzählung der eigenen Familiengeschichte angepasst wird.

In meiner Arbeit interessiert es mich darüber hinaus, Menschen direkt in den Kunstprozess einzubinden und daran teilhaben zu lassen. Ich suche Kommunikationsformen, die außerhalb der vorgegebenen Strukturen liegen. Damit eröffne ich, eine private und persönliche Form der Kommunikation zwischen Fremden und mir im öffentlichen Raum der Stadt, wie in der Aktion "Please Read".